WERKTEXTE | ARTWORK TEXTS
Klaus Haas und sein Projekt QuantenRausch
Die künstlerische Arbeit von Klaus Haas eröffnet einen Raum, in dem sich Malerei nicht länger auf ihre klassische Erscheinungsform beschränken lässt. Was hier sichtbar wird, ist keine bloße Erweiterung eines bestehenden Mediums, sondern eine grundlegende Verschiebung seiner Bedingungen. Die Verbindung zur Filmwelt erscheint in diesem Zusammenhang nicht als ergänzendes Moment oder beiläufiges Zusatzfeld, sondern als konsequente Fortführung und Transformation der Malerei selbst.
Denn in den Arbeiten von Klaus Haas ist die Überschneidung von Raum, Bild und Wahrnehmung nicht nachträglich hinzugefügt, sondern strukturell angelegt. Insbesondere in der virtuellen Realität wird ein Potenzial sichtbar, das im traditionellen Ausstellungsbetrieb oft nur angedeutet bleibt. Genau an dieser Schwelle setzt QuantenRausch an: als künstlerische Praxis, die den üblichen Präsentationsrahmen bewusst überschreitet und ein Feld eröffnet, das sich weder auf Film noch auf Malerei im herkömmlichen Sinne reduzieren lässt.
Für Klaus Haas ist Malerei im Kontext von QuantenRausch keine statische Fläche mehr. Sie wird zu einer prozessualen, raumgreifenden und zeitbasierten Erfahrung. Der Bildraum verwandelt sich in einen Ereignisraum, in dem Wahrnehmung, Bewegung und Imagination in ein wechselseitiges Verhältnis treten. Das Werk existiert nicht allein als Gegenüber, sondern als dynamische Konstellation, in die der Betrachter unmittelbar eingebunden ist. Damit verschiebt sich auch dessen Rolle: vom distanzierten Beobachter hin zu einem aktiven Teil eines offenen, lebendigen Systems.
Gerade darin liegt die besondere Relevanz dieser Arbeit. Es geht nicht darum, neue Technologien lediglich zu verwenden oder mediale Innovationen zu illustrieren. Vielmehr verhandelt Klaus Haas die grundlegenden Bedingungen von Malerei neu. Seine Praxis fragt danach, was Malerei heute sein kann, wenn sie sich nicht mehr allein über Fläche, Material und Stillstand definiert, sondern über Transformation, Zeitlichkeit, Handlung und räumliche Erfahrung.
Diese Neuverhandlung schließt ein, die Grenzen des Mediums nicht zu bewahren, sondern sie bewusst zu destabilisieren. Zwischen physischem Objekt, virtuellem Raum und performativer Handlung entsteht ein Spannungsfeld, in dem Bildwelten hervortreten, die sich einer eindeutigen Kategorisierung entziehen. Sie erscheinen weniger als abgeschlossene Werke denn als Zustände, Übergänge und Verdichtungen von Wahrnehmung. Gerade darin liegt ihre zeitgenössische Kraft: Sie machen erfahrbar, dass Kunst heute nicht mehr nur Form behauptet, sondern Prozesse, Schwellen und Transformationen sichtbar macht.
Wenn Klaus Haas davon spricht, mit seiner Malerei nicht nur über Grenzen hinauszuarbeiten, sondern diese Grenzen selbst als Material zu begreifen, dann formuliert sich darin ein zentrales Moment seines künstlerischen Denkens. Die Grenze ist hier nicht Ende oder Begrenzung, sondern produktive Zone – ein Ort, an dem sich Medien, Wahrnehmungsweisen und Erfahrungsformen ineinander verschieben. In dieser aktiven Transformation entsteht eine Kunst, die sich nicht mit bestehenden Kategorien zufriedengibt, sondern neue Erfahrungsräume eröffnet.
Was seine künstlerische Haltung darüber hinaus auszeichnet, ist die Konsequenz, mit der er den inhaltlichen Kern seiner Arbeit verfolgt. Nicht äußerliche Effekte, nicht kurzfristige Sichtbarkeit und nicht die bloße Frage nach Bekanntheit stehen im Vordergrund, sondern die nachhaltige Weiterentwicklung der eigenen künstlerischen Sprache. Diese Haltung verleiht dem Werk seine besondere Glaubwürdigkeit. Alles Weitere – Resonanz, Aufmerksamkeit, Anerkennung – kann sich daraus ergeben, aber niemals an die Stelle dieser inneren Stringenz treten.
So begegnen wir in Klaus Haas einem Künstler, der die Möglichkeiten zeitgenössischer Malerei mit großer Entschlossenheit, konzeptueller Schärfe und medialer Offenheit neu denkt. QuantenRausch steht exemplarisch für eine Praxis, in der Malerei zu einem räumlichen, zeitlichen und performativen Erfahrungsfeld wird – zu einer Kunstform, die nicht nur Bilder erzeugt, sondern Wahrnehmung selbst in Bewegung versetzt.
English
Klaus Haas and his project QuantenRausch
The artistic practice of Klaus Haas opens up a space in which painting can no longer be confined to its classical form of appearance. What becomes visible here is not merely an extension of an existing medium, but a fundamental shift in its very conditions. In this context, the connection to the cinematic does not appear as an additional element or incidental extension, but rather as a consistent continuation and transformation of painting itself.
In the work of Klaus Haas, the intersection of space, image, and perception is not something added retrospectively; it is structurally embedded from the outset. Particularly in virtual reality, a potential becomes visible that within the traditional exhibition context often remains only partially articulated. It is precisely at this threshold that QuantenRausch begins: as an artistic practice that consciously exceeds the usual framework of presentation and opens up a field that can be reduced neither to film nor to painting in any conventional sense.
For Klaus Haas, painting in the context of QuantenRausch is no longer a static surface. It becomes a processual, spatial, and time-based experience. The pictorial space is transformed into a space of event, in which perception, movement, and imagination enter into a reciprocal relationship. The work does not exist merely as an object facing the viewer, but as a dynamic constellation into which the viewer is directly integrated. In doing so, the role of the viewer also shifts: from that of a distant observer to that of an active participant within an open and vital system.
This is precisely where the particular relevance of this work lies. It is not a matter of merely employing new technologies or illustrating media innovation. Rather, Klaus Haas renegotiates the fundamental conditions of painting. His practice asks what painting can be today if it is no longer defined solely by surface, materiality, and stillness, but by transformation, temporality, action, and spatial experience.
This renegotiation includes not preserving the boundaries of the medium, but deliberately destabilising them. Between physical object, virtual space, and performative action, a field of tension emerges in which image-worlds arise that resist clear categorisation. They appear less as completed works than as states, transitions, and condensations of perception. It is precisely here that their contemporary force resides: they make it tangible that art today no longer asserts form alone, but renders processes, thresholds, and transformations perceptible.
When Klaus Haas speaks of working with painting not merely beyond boundaries, but of understanding these boundaries themselves as material, he articulates a central aspect of his artistic thinking. Here, the boundary is not an end or a limit, but a productive zone — a site where media, modes of perception, and forms of experience shift into one another. In this active transformation, an art emerges that does not remain satisfied with existing categories, but opens up new experiential spaces.
What further distinguishes his artistic position is the consistency with which he pursues the conceptual core of his work. Not external effects, not short-term visibility, and not the mere question of recognition stand at the forefront, but the sustained development of his own artistic language. This attitude lends the work its particular credibility. Everything else — resonance, attention, recognition — may arise from this, but can never take the place of that inner coherence.
Thus, in Klaus Haas we encounter an artist who rethinks the possibilities of contemporary painting with great determination, conceptual precision, and medial openness. QuantenRausch stands as an exemplary practice in which painting becomes a spatial, temporal, and performative field of experience — an art form that does not merely produce images, but sets perception itself in motion.
Die künstlerische Arbeit von Klaus Haas eröffnet einen Raum, in dem sich Malerei nicht länger auf ihre klassische Erscheinungsform beschränken lässt. Was hier sichtbar wird, ist keine bloße Erweiterung eines bestehenden Mediums, sondern eine grundlegende Verschiebung seiner Bedingungen. Die Verbindung zur Filmwelt erscheint in diesem Zusammenhang nicht als ergänzendes Moment oder beiläufiges Zusatzfeld, sondern als konsequente Fortführung und Transformation der Malerei selbst.
Denn in den Arbeiten von Klaus Haas ist die Überschneidung von Raum, Bild und Wahrnehmung nicht nachträglich hinzugefügt, sondern strukturell angelegt. Insbesondere in der virtuellen Realität wird ein Potenzial sichtbar, das im traditionellen Ausstellungsbetrieb oft nur angedeutet bleibt. Genau an dieser Schwelle setzt QuantenRausch an: als künstlerische Praxis, die den üblichen Präsentationsrahmen bewusst überschreitet und ein Feld eröffnet, das sich weder auf Film noch auf Malerei im herkömmlichen Sinne reduzieren lässt.
Für Klaus Haas ist Malerei im Kontext von QuantenRausch keine statische Fläche mehr. Sie wird zu einer prozessualen, raumgreifenden und zeitbasierten Erfahrung. Der Bildraum verwandelt sich in einen Ereignisraum, in dem Wahrnehmung, Bewegung und Imagination in ein wechselseitiges Verhältnis treten. Das Werk existiert nicht allein als Gegenüber, sondern als dynamische Konstellation, in die der Betrachter unmittelbar eingebunden ist. Damit verschiebt sich auch dessen Rolle: vom distanzierten Beobachter hin zu einem aktiven Teil eines offenen, lebendigen Systems.
Gerade darin liegt die besondere Relevanz dieser Arbeit. Es geht nicht darum, neue Technologien lediglich zu verwenden oder mediale Innovationen zu illustrieren. Vielmehr verhandelt Klaus Haas die grundlegenden Bedingungen von Malerei neu. Seine Praxis fragt danach, was Malerei heute sein kann, wenn sie sich nicht mehr allein über Fläche, Material und Stillstand definiert, sondern über Transformation, Zeitlichkeit, Handlung und räumliche Erfahrung.
Diese Neuverhandlung schließt ein, die Grenzen des Mediums nicht zu bewahren, sondern sie bewusst zu destabilisieren. Zwischen physischem Objekt, virtuellem Raum und performativer Handlung entsteht ein Spannungsfeld, in dem Bildwelten hervortreten, die sich einer eindeutigen Kategorisierung entziehen. Sie erscheinen weniger als abgeschlossene Werke denn als Zustände, Übergänge und Verdichtungen von Wahrnehmung. Gerade darin liegt ihre zeitgenössische Kraft: Sie machen erfahrbar, dass Kunst heute nicht mehr nur Form behauptet, sondern Prozesse, Schwellen und Transformationen sichtbar macht.
Wenn Klaus Haas davon spricht, mit seiner Malerei nicht nur über Grenzen hinauszuarbeiten, sondern diese Grenzen selbst als Material zu begreifen, dann formuliert sich darin ein zentrales Moment seines künstlerischen Denkens. Die Grenze ist hier nicht Ende oder Begrenzung, sondern produktive Zone – ein Ort, an dem sich Medien, Wahrnehmungsweisen und Erfahrungsformen ineinander verschieben. In dieser aktiven Transformation entsteht eine Kunst, die sich nicht mit bestehenden Kategorien zufriedengibt, sondern neue Erfahrungsräume eröffnet.
Was seine künstlerische Haltung darüber hinaus auszeichnet, ist die Konsequenz, mit der er den inhaltlichen Kern seiner Arbeit verfolgt. Nicht äußerliche Effekte, nicht kurzfristige Sichtbarkeit und nicht die bloße Frage nach Bekanntheit stehen im Vordergrund, sondern die nachhaltige Weiterentwicklung der eigenen künstlerischen Sprache. Diese Haltung verleiht dem Werk seine besondere Glaubwürdigkeit. Alles Weitere – Resonanz, Aufmerksamkeit, Anerkennung – kann sich daraus ergeben, aber niemals an die Stelle dieser inneren Stringenz treten.
So begegnen wir in Klaus Haas einem Künstler, der die Möglichkeiten zeitgenössischer Malerei mit großer Entschlossenheit, konzeptueller Schärfe und medialer Offenheit neu denkt. QuantenRausch steht exemplarisch für eine Praxis, in der Malerei zu einem räumlichen, zeitlichen und performativen Erfahrungsfeld wird – zu einer Kunstform, die nicht nur Bilder erzeugt, sondern Wahrnehmung selbst in Bewegung versetzt.
English
Klaus Haas and his project QuantenRausch
The artistic practice of Klaus Haas opens up a space in which painting can no longer be confined to its classical form of appearance. What becomes visible here is not merely an extension of an existing medium, but a fundamental shift in its very conditions. In this context, the connection to the cinematic does not appear as an additional element or incidental extension, but rather as a consistent continuation and transformation of painting itself.
In the work of Klaus Haas, the intersection of space, image, and perception is not something added retrospectively; it is structurally embedded from the outset. Particularly in virtual reality, a potential becomes visible that within the traditional exhibition context often remains only partially articulated. It is precisely at this threshold that QuantenRausch begins: as an artistic practice that consciously exceeds the usual framework of presentation and opens up a field that can be reduced neither to film nor to painting in any conventional sense.
For Klaus Haas, painting in the context of QuantenRausch is no longer a static surface. It becomes a processual, spatial, and time-based experience. The pictorial space is transformed into a space of event, in which perception, movement, and imagination enter into a reciprocal relationship. The work does not exist merely as an object facing the viewer, but as a dynamic constellation into which the viewer is directly integrated. In doing so, the role of the viewer also shifts: from that of a distant observer to that of an active participant within an open and vital system.
This is precisely where the particular relevance of this work lies. It is not a matter of merely employing new technologies or illustrating media innovation. Rather, Klaus Haas renegotiates the fundamental conditions of painting. His practice asks what painting can be today if it is no longer defined solely by surface, materiality, and stillness, but by transformation, temporality, action, and spatial experience.
This renegotiation includes not preserving the boundaries of the medium, but deliberately destabilising them. Between physical object, virtual space, and performative action, a field of tension emerges in which image-worlds arise that resist clear categorisation. They appear less as completed works than as states, transitions, and condensations of perception. It is precisely here that their contemporary force resides: they make it tangible that art today no longer asserts form alone, but renders processes, thresholds, and transformations perceptible.
When Klaus Haas speaks of working with painting not merely beyond boundaries, but of understanding these boundaries themselves as material, he articulates a central aspect of his artistic thinking. Here, the boundary is not an end or a limit, but a productive zone — a site where media, modes of perception, and forms of experience shift into one another. In this active transformation, an art emerges that does not remain satisfied with existing categories, but opens up new experiential spaces.
What further distinguishes his artistic position is the consistency with which he pursues the conceptual core of his work. Not external effects, not short-term visibility, and not the mere question of recognition stand at the forefront, but the sustained development of his own artistic language. This attitude lends the work its particular credibility. Everything else — resonance, attention, recognition — may arise from this, but can never take the place of that inner coherence.
Thus, in Klaus Haas we encounter an artist who rethinks the possibilities of contemporary painting with great determination, conceptual precision, and medial openness. QuantenRausch stands as an exemplary practice in which painting becomes a spatial, temporal, and performative field of experience — an art form that does not merely produce images, but sets perception itself in motion.
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